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Ausflug zur Yeomyong-Schule – Eine Begegnung mit nordkoreanischen Flüchtlingen

„Das sind ja ganz normale Schüler!“, sagte einer meiner 9. Klässler, nach dem Ausflug zur Yeomyong-Schule. Diese hatte ich zusammen mit meiner 9. Politikklasse der Deutschen Schule Seoul International (DSSI) im Juni 2017 besucht. Yeomyong heißt „neuer Morgen“, also Neuanfang, sozusagen, für die Jugendlichen, die aus Nordkorea geflohen sind und nun einen Neustart mit Hilfe dieser Schule in Südkorea wagen. Ja, es sind ganz normale Jugendliche, aber irgendwie auch nicht. Denn sie hatten erstaunliche Lebensgeschichten zu erzählen. Sie erzählten von ihrer Flucht aus Nordkorea bis nach China und teilweise noch weiter. Sie erzählten von ihrer Ankunft in Seoul und den Schwierigkeiten sich in das neue System einzuordnen. Lustig ging es teilweise zu, bei einem individuellen Austausch in Kleingruppen, in denen sich Koreanisch sprechende Schüler/innen mit anderen Jugendlichen zusammen fanden, die der Sprache ihres Gastlandes nicht mächtig sind. Auch Fragen über Deutschland mussten unsere Schüler/innen beantworten. Ja, lustig ging es zu, aber auch nachdenklich, zurückhaltend und manchmal sogar traurig. „Warum gibt es dort drüben in China so viele Lichter und Straßenbeleuchtung?“ Das fragte sich ein Mädchen, damals, als sie noch in Nordkorea lebte, an der Grenze zu China, in einem Dorf in dem sie keine Freiheit kannte. Zusammen mit ihren Eltern wagte sie die Flucht. Bis nach Vietnam schlug sie sich durch, tausende Kilometer weit zu Fuß und mit dem Auto, dann stieg sie in den Flieger, der sie nach Seoul brachte, in die Stadt, die nur einige hunderte Kilometer weit weg von ihrem ursprünglichen Heimatort liegt. Alleine kam sie an, ohne ihre Eltern, die waren auf der Flucht ums Leben gekommen… 

 

Vor den Gesprächen mit den Schüler/innen, der Yeomyong-Schule übergab die 9. Klasse ihre Spende von 310.000 Koreanischen Won (ca. 240 Euro). Das Geld hatten die DSSI Schüler/innen beim Flohmarkt und Waffelverkauf eingenommen. Die Schule freute sich sehr und der Direktor teilte uns mit, dass dieses Geld für neue Literatur verwendet werden wird. Die Yeomyong-Schule finanziert sich rein durch Spenden und Subventionen des Staates. Dennoch reicht es nicht, für einen Schulhof oder eine Sporthalle, größere Klassenräume oder eine eigene Mensa. Das Essen wird von drei Kirchen gespendet, die sich abwechselnd um die Verköstigung kümmern. Sehr klein ist die Schule, wie die 9. Klässler, bei einem Rundgang feststellen mussten und dennoch reicht es, dass hier nordkoreanische Flüchtlingskinder und –jugendliche liebevoll von anderen Koreanern, sozusagen ihren Brüdern und Schwestern, betreut und versorgt werden und hoffentlich irgendwann einen Platz in der südkoreanischen Gesellschaft finden. Die Lehrerinnen und Lehrer dieser Schule sind zum Teil selbst als Jugendlicher aus Nordkorea geflohen, haben die Yeomyong-Schule besucht, studiert und sind wieder als Lehrer zurückgekehrt. Eine Lehrerin trafen wir, die Englischlehrerin in Nordkorea war, floh und nun an der besagten Schule unterrichtet. Auf den Fotos möchte sie nicht erkannt werden, zu groß die Gefahr, das nordkoreanische Spitzel sie erkennen und zurückbringen könnten! Und was möchten Yeomyong-Schüler/innen machen, wenn sie das koreanische Abitur in der Tasche haben? Auch hier, ganze normale Antworten. Studieren möchten die meisten; Psychologe, Erzieherin, Lehrerin oder Dolmetscher werden oder auch einfach nur die Welt bereisen! Das schätzen alle nordkoreanischen Jugendlichen, ihre Freiheit! Ganz normale Teenager also, aber irgendwie doch nicht. „Wir sind Außenseiter, sprechen einen anderen Dialekt, haben daher keine südkoreanischen Teenager-Freunde“, sagten sie auf Nachfrage. Ganz normale Teenager also? Irgendwie schon, aber irgendwie auch doch nicht…Spenden für diese Schule nehme ich gerne entgegen! Bitte sendet mir eine PM für das weitere Vorgehen. Ich sorge dafür, dass jeder Cent persönlich an den Direktor übergeben wird!

22.6.17 14:40
 
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