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Mein Tag an einer koreanischen Schule

"Der wahre Glaube wächst durch die Stimme eines guten Lehrers und eigenes Nachdenken." Buddha


Ich bin leidenschaftliche Lehrerin und interessiere mich natürlich auch besonders für andere Schulsysteme dieser Welt.

Deshalb hat mich eine Freundin, Mascha, die an einer koreanischen Schule Deutsch unterrichtet, an ihre Schule mitgenommen. Diese Mädchenschule besteht mit 1400 Schülerinnen nur aus einer Oberstufe und zwar aus drei Jahrgängen. Sie ist vergleichbar mit der deutschen gymnasialen G8-Oberstufe. Anders als in Deutschland tragen hier die Schüler eine Schuluniform. Am Ende der drei Jahre Oberstufe machen die Mädchen ihr koreanisches Abitur. Insgesamt fast 80% aller Schüler in Korea machen das sogenannte Suneung. An einem einzigen Tag gibt es dann zwischen 4-6 Prüfungen, bei denen Multiple Choice Fragen beantwortet werden müssen. Mündliche Prüfungen und schriftliche gibt es nicht.

An der Schule, die ich besucht habe, unterrichten die Sprachlehrer Spanisch und Deutsch in einem separatem Gebäude, in dem jeder Sprachenlehrer seinen eigenen Klassenraum hat. Maschas Klassenzimmer konnte man ganz leicht an den auf Deutsch gestalteten Plakaten, der Deutschlandlandkarte und den Wörterbüchern erkennen. Wenn die Schülerinnen Deutsch lernen, dann dürfen sie sich zu Beginn entweder einen deutschen Namen aussuchen oder müssen einen Zettel mit einem deutschen bzw. europäischen Namen ziehen. So heißen die Mädchen dann also Greta, Lara, Leonie, Laura oder Tina und nicht Kim, Yuna, Ai oder Lee. Die drei Klassen, die ich bei Mascha und bei Maschas koreanischem Deutschlehrer beobachtet habe (Jahrgang 1-3, also Sprachniveau A1-C1) bestanden aus jeweils 6 bis 23 Schülerinnen, wobei alle Schülerinnen bei Mascha das sogenannte DSD-Diplom 1 bzw. 2 erwerben wollen. Sie sind deshalb schon sehr gut und die Klassen sind deswegen auch so klein. In den anderen koreanischen Klassen sitzen bis zu 43 Schülerinnen! Wir Lehrer aus Deutschland dürfen uns also eigentlich mit unseren ca. 30 Schülern nicht beschweren. :-)
Hier wird viel mehr auf das Schriftliche und die Grammatik (bei einer Fremdsprache zum Beispiel) Wert gelegt. Allerdings werden die Prüfungen mit Multiple-Choice Fragen (wie beim Suneung) beantwortet. Kreativität bleibt hier leider auf der Strecke! Wer aber ein deutsches Sprachenzertifikat erwerben möchte, arbeitet wie in Deutschland auch mal in Gruppen, entwirft ein Plakat oder eine Präsentation und diskutiert konstruktiv über diverse Themen. Wer einen koreanischen Sprachenlehrer hat erfährt oft nur Frontalunterricht.

Vor der - für deutsche Verhältnisse von der Fläche her sehr große Schule - sitzt ein Wachmann, direkt nach dem Wachhäuschen betritt man einen kleinen Platz mit einer großen Skulptur, die drei Frauen zeigt. Sie stehen für Intelligenz, Fleiß und Schönheit. Drei sehr wichtige Tugenden für Frauen in Korea! Die Mädchen werden also jeden Tag symbolisch daran erinnert, was im Leben wirklich wichtig ist. Überall in der Schule hängen auch große Spiegel vor denen Schülerinnen zu sehen sind, die sich stylen. Ich als große Europäerin wurde sehr interessiert und neugierig beäugt und Fragen nach meiner Herkunft und Größe (1,78m) wurden gestellt, als ich einen Schulrundgang mit Leonie, einer Deutschschülerin von Mascha, genießen durfte.

Auf meine Frage, was sie denn später einmal werden möchten, antworteten einige Schülerinnen, dass sie auf eine gute Universität gehen möchten, das sei sehr wichtig, um hinterher einen guten Job zu bekommt und das Ansehen der Familie zu steigern. Auf eine der drei besten Unis (die sogenannten SKY Unis: Seoul National University, Korea University und Yonsei University) von insgesamt fast 40 Universitäten und Fachhochschulen in Seoul möchten alle gehen. Blöd nur, dass nur ca. 4% der A-Level Schüler eines Jahrgangs eine Chance bekommen auf eine dieser Unis zu kommen. Es herrscht daher ein unheimlicher Druck und es gibt viel Konkurrenz. Südkorea hat nicht ohne Grund leider die höchste Selbstmordrate unter Jugendlichen. Erst vor ein paar Wochen hat sich ein Mädchen an einer Schule von Maschas Kollegin das Leben genommen, weil sie den Druck nicht mehr standhalten konnte. Um eben die besten Noten zu bekommen lernen viele Schüler in Korea nach der Schule in sogenannten Hakwons. Das sind teure Privatinstitute, die die Schüler in diversen Fächern fördern sollen, aber nicht immer unbedingt, weil sie schlecht in einem Fach sind, sondern damit sie eben noch besser werden, als ihre Mitschüler und in der Rangliste, die teils auch öffentlich sind, ganz weit oben stehen. Die meisten Oberstufenschüler gehen am Nachmittag nach der Schule für 3-6 Stunden in ein Hakwon und vertiefen dort meistens Koreanisch, Mathematik und Englisch, weil diese Prüfungen im Suneung sehr wichtig sind. Am Samstag und Sonntag wird dann noch mal jeweils bis zu 10 Stunden in so einem Institut gepaukt. Teilweise wird dann eben auch im koreanischen Unterricht geduldet, dass einige schlafen, weil die Lehrer wissen, dass viele Schüler oft erst nach Mitternacht ins Bett gehen und vor 6 Uhr raus müssen.
Sehr gut haben mich die B2 Schüler über das koreanische Schulsystem in einer Präsentation aufgeklärt. Richtig deutsch mussten sie natürlich auch Vor- und Nachteile der Hakwons, des Suneungs und des restlichen koreanischen Schulsystems beleuchten. Interessant fand ich, dass sie alle gerne mehr Freizeit hätten, mehr Zeit für Kreativität hätten und zugaben, dass das koreanische Schulsystem eher Konkurrentinnen, anstatt Freundinnen schafft. Sie erwähnten aber auch, dass sie so lernen fleißig und diszipliniert zu sein und es so hoffentlich auf eine der besten Unis in Seoul schaffen, um später einen guten Job zu bekommen und damit gut Geld zu verdienen.

Meinen Schülern in Deutschland habe ich oft gesagt "Seid fleißig, lernt mehr, bereitet euch gut vor!", diesen Schülerinnen würde ich gerne sagen: "Lasst auch mal 5 Grade sein. Geht raus spielen! Macht mal einen Tag gar nichts!" Leider würden da die Lehrer und Eltern nicht mit machen! Leider hat diese Art von Lernen kaum Platz im Schulsystem Koreas.

Fazit: Ich bin um eine sehr wertvolle Erfahrung reicher geworden! Und obwohl es so viele Unterschiede gibt zwischen dem koreanischen und dem deutschen Schulsystem ist eines doch ähnlich: Kinder und Jugendliche sind alle gleich auf dieser Welt! Es gibt die Ruhigen, die Lauten, die Leisen, die Klassenclowns und die Beauty-Queens, die Schüchternen, die Frechen, die Nachdenklichen und die Vorlauten, egal aus welchem Land dieser Erde sie kommen.

@Mascha: Danke, dass du mich mitgenommen hast und dass ich nun um eine sehr interessante Erfahrung reicher geworden bin!
Mehr Infos hat vor Kurzem ARD in einer sehr interessanten Doku gebracht.
Siehe: ARD-Abi in Südkorea
22.6.14 11:33
 
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