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Mein Templestay im Myogagsa Tempel

 

Bevor ich zum zweiten Mal Mama werde, wollte ich unbedingt noch einmal einen Templestay in Korea erleben. Bei einem Templestay verbringt man einen oder mehrere Tage zusammen mit Mönchen in einem Buddhistischen Tempel, beteiligt sich am Tagesablauf und lernt mehr über den Buddhismus kennen. Außerdem soll dieser Aufenthalt dazu dienen innere Ruhe zu finden, in sich hinein zuhören und einmal abzuschalten von der schnellen und hektischen Welt da draußen.

Ich meldete mich für 2 Tage und 1 Nacht im Myogagsa Tempel an.

Und so sah mein Tagesablauf aus:

1. Tag:

14 Uhr  Ankunft, Zimmerbezug mit zwei weiteren Frauen

14.30 Uhr Orientierung auf dem Tempelgelände

15.00 Uhr Kennenlernen unserer Nonne (bzw. unserer Mönch). Sie erklärte uns, was es mit den 108 Verbeugungen (Kniefälle) zu tun hat, die wir absolvieren sollten:  Die Verbeugungen sollen den Körper und den Geist auf eine Linie bringen, damit sie eins werden und die Seele sich auf das Wesentliche konzentrieren kann, also nicht immer abschweift. Jedes Mal, wenn wir eine Verbeugung hinter uns gebracht hatten, durften wir eine Bohne auf einen Faden ziehen. „Schummeln“ durfte man aber auch und mal 2, 3 oder 4 Bohnen auffädeln. 108 deswegen, weil es laut dem Buddhismus 108 Verunreinigungen in unserer Seele gibt, an die wir regelmäßig denken oder die wir begehen und von denen man sich mit den Kniefällen reinigen kann.

16.30 Uhr Vorstellung in der Runde. Mit mir waren ungefähr noch 30 weitere Teilnehmer da, viele Austauschstudenten aus dem Ausland, aber auch eine koreanische Gruppe einer  Universität bei Incheon nahmen an den Zeremonien teil.

17 Uhr Ein Teil der Gruppe durfte zusammen mit der Mönch die Tempel-Glocke läuten, daraufhin nahmen wir im Tempel an einer buddhistischen Zeremonie teil.

18 Uhr Abendessen: natürlich gibt es im Tempel nur vegetarisches Essen: Reis, Suppe, Gemüse, Kimchi, Kartoffelpfannenkuchen, Obst etc. Ich fand das Essen aber sehr lecker und vor allem gesund!

18.30 Uhr: Kurze Meditation nach dem Motto „Where is your mind?“ Also, das Stillsitzen (20 Minuten lang!) viel mir nicht so schwer, aber meine Gedanken zu kontrollieren und im „Hier und Jetzt“ zu bleiben, das war eine Herausforderung! Meine Gedanken waren oft in der Zukunft: Was mache ich danach? Was mache ich morgen? Oder bei meiner Tochter: Hat sie gut gegessen? Ist sie müde? Wie geht es ihr?

19 Uhr Nun hatten wir noch Zeit die anderen Teilnehmer kennenzulernen

21 Uhr Zeit zum Schlafen! Natürlich schliefen wir, typisch koreanisch, auf dem Boden mit mehreren Decken, die als Matratze dienten. Als Mama fiel es mir nicht schwer so früh einzuschlafen!

4 Uhr!!! Zeit zum Aufstehen! Ja, es war früh und es war kalt und dunkel! Und ja, ich hatte ein bisschen Respekt vor dieser frühen Uhrzeit. Aber als Mama ist man ja einiges gewohnt, was den Nachtschlaf und das frühe Aufstehen betrifft und von daher fand ich es leichter, als erwartet.

5 Uhr Diesmal durfte ich mit anderen die Buddha-Glocke läuten. Ich fand es sehr mystisch, den Gong in der Stille der Nacht zu hören! Im Anschluss nahmen wir wieder an einer buddhistischen Zeremonie teil.

5.30 Uhr Nun fand wieder eine Meditation statt. Diesmal intensiver: 2 Mal 20 Minuten. Normalerweise wird im Temple zu dieser Uhrzeit 1 Stunde lang meditiert. 1 Stunde nur ruhig im Schneidersitz sitzen, die Augen halb geschlossen, aber nicht zu, die Gedanken nur im „Hier und Jetzt!“ Unmöglich ohne jahrelanges Training! Probiert es mal aus! Diesmal viel mir das lange Stillsitzen, als Schwangere, doch ein bisschen schwerer als noch am Vortag (wahrscheinlich, weil ich auch ein bisschen Muskelkater hatte von meinen „fast“ 108 Verbeugungen, ich habe natürlich ein bisschen „geschummelt“ ). Meine Gedanken waren natürlich wieder nicht die ganze Zeit im „Hier und Jetzt“ und einmal bin ich zwischendurch (shame on me!) auch kurz eingenickt! Doch nicht so einfach morgens, wenn es noch dunkel ist vor dem Frühstück die Kontrolle zu behalten.

6.30 Uhr Nun gab es eine Pause, in der sich einige von uns noch einmal schlafen legten und in der andere (z.B. ich) den Sonnenaufgang über den Dächern von Seoul beobachteten.

7.20 Uhr Frühstück: natürlich wieder Templefood: Reis, Gemüse etc. Nicht wirklich das, was wir Ausländer unter einem Frühstück verstehen, aber geschmeckt hat es mir trotzdem!

8.20 Uhr Tee-Zeremonie: Mit einem bestimmten Ritual und in mehreren Schritten, lernten wir in dreier Gruppe, was es bedarf um den perfekten koreanischen Grünentee aufgießen zu können, damit er am Ende einfach perfekt schmeckt und genossen und gewürdigt werden kann.

9 Uhr Jetzt mussten natürlich noch gemeinsam aufgeräumt werden: Tische abwischen, Speisesaal putzen, Betten abziehen und Laken sauber machen.

10 Uhr Good-Bye Temple!

 

Was ich mitnehme von diesem Erlebnis ‚Templestay‘:

Unsere Mönch erzählt uns von den Verschmutzungen der Seele, an die Buddhisten glauben (vergleichbar mit den Sünden aus der christlichen Religion): Gier nach Geld und Besitz, Gier nach gutem Essen, Gier nach Macht und Kontrolle, Gier nach Liebe (körperlich & seelisch), Schlaf und Ruhe. Von diesen Dingen muss sich ein Buddhist, wenn er in den Orden eintreten will befreien und vom Konsumleben, das man außerhalb des Tempels kennt los lassen. Ich machte mir Gedanken darüber, was mir schwer fallen würde: Am schwierigsten würde mir der Verzicht auf Liebe fallen, da hier ja auch der Verzicht auf Partnerschaften, Familie und enge Freundschaften gemeint ist. Am ehesten verzichten könnte ich auf Geld und Besitz, denn ich kann mir durchaus vorstellen, dass ein sporadisch eingerichtetes Zimmer und Kleiderschrank auch viele Probleme im Leben löst. Und worauf könntest du am ehesten verzichten?

Weiterhin habe ich viel Respekt gegenüber den Mönchen gewonnen. Was müsste ich alles aufgeben, um wirklich ein kompletter Buddhist zu werden?! Wahnsinn, dass es solche Menschen gibt, die dabei auch noch total zufrieden und glücklich erscheinen. Vielleicht schaffe ich es ja selbst in der Zukunft nun mehr innezuhalten, ruhiger zu werden, geduldiger zu sein, weniger zu konsumieren und mich auf das Wesentliche im Leben, auf das „Hier und Jetzt“ zu konzentrieren?

23.12.17 06:20
 
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